Tanzverbot? Och nööö

…alle Jahre wieder entbrennt um Ostern herum die Diskussion ums Tanzverbot.

Warum bin ich da immer wieder dabei? Ich habe nicht die Angewohnheit, am Karfreitag tanzen zu gehen. Es geht mir auch eigentlich gar nicht um das Tanzverbot als solches, sondern um seine Symbolwirkung.
Ich sehe das Tanzverbot kritisch, weil es stellvertretend für eine Bevorzugung einer Religion von gesetzlicher Seite steht. Welches Gesetz regelt zum Beispiel, dass Menschen islamischen Glaubens nicht beim Ramadan gestört werden? Und wie will man das regeln, wenn irgendwann mal 2 verschiedene Religionen gegensätzliches Handeln wünschen? Wir haben in unserem Grundgesetz die Freiheit der Religion und auch den Gleichheitsgrundsatz festgehalten. Beides finde ich überaus wichtig.

Wenn z.B. Menschen am Karfreitag in einem Club tanzen gehen, die nicht christlichen Glaubens sind, soll man denen das wirklich verbieten, solang sie das eben nicht in einer Kirche oder davor tun? Sollte nicht vielmehr mit mehr Bildung für echten Respekt und echte Toleranz gesorgt werden? Verbote bringen immer auch Trotzreaktionen mit sich. Ich habe mich gerade an mehreren Fronten verteidigen dürfen, weil ich das Tanzverbot eben nicht gut finde. Nein, ich bin kein Mensch, der heute in die Kirche geht, um zu tanzen. Gefühlt habe ich mich aber so, zumindest, was die Diskussionen anging.

Ich halte es für wichtig, dass Gläubige in diesem Land gleiche Voraussetzungen haben, wie nicht Gläubige und auch, was die verschiedenen Religionen angeht. Nein, ich möchte den Gläubigen nicht ihre Feiertage „wegnehmen“. Und nein, ich ruhe mich nicht auf religiös dahergebrachten Auszeiten wie Sonntagen oder Feiertagen aus. Ich arbeite immer wieder sonntags, auch an Adventssonntagen. Und ich bin da nur einer von vielen. Ja, Deutschland hat aufgrund seiner Geschichte eine christliche Prägung. Von einigen Feiertagen profitieren alle, auch die bösen Atheisten. Es kam z.B. sinngemäß der Spruch „mal sehen, wie die Atheisten heulen, wenn Sonn- und Feiertage abgeschafft werden“. Ich bin nicht der Meinung, dass Menschen ohne freie Tage zwischendurch ununterbrochen gute Arbeit machen können. Wir brauchen zwischenzeitlich Erholungspausen. Diese Funktion übernehmen Sonn- und Feiertage nunmal auch. Nochmal: ich will Sonn- und Feiertage nicht abschaffen. Arbeitsplätze (also echte, von denen man leben kann) werden immer weniger in diesem Land. Wir können uns erlauben, 1 oder 2 Tage in der Woche frei zu machen. Nein, wir MÜSSEN uns das erlauben. Ob das nun zwangsläufig der Sonntag sein muss, sei dahingestellt. Ein einheitlicher Wochentag ist aber z.B. für Familien wichtig, egal, ob sie glauben oder nicht. Was Feste wie Ostern oder Weihnachten angeht: Weihnachten bedeutet für mich Stress, viel Arbeit und Hektik  Es hat für mich nichts mit „Fest“ oder so zu tun. Im weltlichen Sinne hat es sich halt auch als Familienfest entwickelt (aus dem christlichen heraus halt), was es aber eben nicht zwangsläufig für Anhänger anderer Religionen ist. Von mir aus arbeite ich eben Weihnachten, Ostern oder Pfingsten.

Wer hindert uns denn daran, anstelle bundeseinheitlicher religiöser Feiertage ein paar weltliche einzuführen? Man könnte den Sommeranfang feiern oder was auch immer. Ein paar einheitliche Feiertage sind gut und nützlich, genau wie freie Tage in der Woche. Was spricht dagegen, religiösen als auch nicht religiösen Menschen einen höheren Mindesturlaub zuzugestehen, den sie dann für IHRE Feiertage nutzen können? Mit welchem Recht müssen Einwohner einiger Bundesländer mehr arbeiten als die anderer?

Ich möchte, dass alle Menschen „ihre“ Feiertage haben. Ich sehe nicht, warum Atheisten keine Feiertage haben sollen. Ob das nun christliche sind oder nicht, halte ich da für eher unwichtig, dann ists halt Urlaub oder was auch immer. Der Gleichheitsgrundsatz sagt mir aber: freie Tage müssen für alle gleich viele sein, wenn sie gesetzlich vorgegeben werden.

Mit meiner Haltung wurde mir auch schon Respektlosigkeit vorgeworfen. Respektlosigkeit gegenüber einer Kirche, die mich als Menschen, wie ich bin, nicht akzeptiert. Nun: die KIRCHE respektiere ich in der Tat nicht, ich habe keinen Grund dazu. Ich respektiere jedoch religiöse Menschen und auch ihren Glauben. (Ich habe mal im Aussendienst mit einem streng gläubigen Muslim zusammengearbeitet und wir haben uns bestens verstanden. Es gab IMMER Gelegenheit für seine Gebete. Ich hatte dann halt einfach mal Pause oder was auch immer.) Ich wünsche mir, dass Respekt, Akzeptanz und Toleranz keine Einbahnstraßen sind. Ich wünsche mir das alles in BEIDE Richtungen. Und denken wir doch bitte daran: es gibt Berufe, die weder Sonn- noch Feiertage kennen. Also: abregen, durchatmen und vernünftig und in Ruhe miteinander über mögliche Veränderungen diskutieren. Nicht pöbeln, nicht provozieren. Das hat noch nie zu Gutem geführt.

1 Kommentar zu “Tanzverbot? Och nööö”

  1. [marcel] sagt:

    Ein sehr schöner Blogpost! Entspricht sogar meiner Meinung zu fast 100% 🙂

    Das schafft nicht jeder. =)

    [marcel]

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