Kampf der Geschlechter – wenn Menschen unter die Räder kommen

Vorweg: Diskriminierung ist scheiße. Immer. Egal wen sie trifft.
Ich bin mir des Shitstormpotenzials dieses Textes bewusst.
BITTE: lest in Ruhe. Versucht zu verstehen, was ich sagen möchte. Versucht, nicht irgendwelchen sexistischen Mist in diesen Text hinein zu interpretieren. Ich habe an dieser Stelle NICHT vor, Sexismus, Rassismus, Respektlosigkeit zu relativieren oder zu entschuldigen. Werft bitte mal ne Schippe Kohle weniger aufs Feuer.
Nehmt Menschen mit in der Diskussion und versucht sachlich und respektvoll zu argumentieren.
Verschliesst Euch bitte nicht gleich, wenn Mensch es vielleicht noch nicht ganz begriffen hat. Wie lange habt Ihr selbst dafür gebraucht?

Weiter: ich habe mir weder Herkunft, Geschlecht, Familie noch sexuelle Orientierung ausgesucht.
Ich lebe damit. Ich bin weder stolz darauf noch schäme ich mich dafür.

Seit einigen Wochen scheint der Kampf der Geschlechter in eine neue Phase eingetreten zu sein.
Frauen verlangen mit Recht Respekt und Gleichberechtigung. Ich muss hier nichts hinzufügen.
Die Debatte ist in der Öffentlichkeit angekommen. Das ist gut.

Ich fühle mich durch die Art der Diskussion aber eben nicht „mitgenommen“. Dieser Punkt war spätestens erreicht, als es sinngemäß hieß: „Männer verhalten sich so, weil sie nicht als schwul bezeichnet werden wollen.“. Vielen Dank für dieses Statement (Ja, es gab noch mehr, wie z.B. den schwulen Türsteher etc…).
Ein Übel ersetzen wir einfach durch ein anderes!
Wollen wir wirklich von Opfern selbst zu Tätern werden?
Können wir bei so filigranen und aufgeheizten Diskussionen bitte zweimal nachdenken, ob wir einer anderen Gruppe von Menschen vor den Kopf stoßen?
Wissen wir denn nicht, dass ein einziges falsches Wort genügt? Können wir mal diese „Empathie“ ausprobieren?
Der Satz „Jetzt sind wir auch mal dran.“ ist so destruktiv.
Dabei wollten wir doch dieses „bunt und vielschichtig“.
Mein Gefühl derzeit ist leider eher: Jedes Grüppchen kocht sein eigenes Süppchen.
Das funktioniert nicht und es tut MENSCHEN weh, auch mir.

Wieso reden wir nicht MITeinander? Warum pauschalisieren wir andauernd anhand körperlicher Merkmale?
Warum setzen wir andere Menschen pauschal in ihrer Wertigkeit herab?
Stoßen wir nicht vielleicht potenziellen Unterstützern vor den Kopf?
Ich bin in einem Land aufgewachsen, in dem man versuchte, Frauen gleichberechtigt zu behandeln, gleichzeitig aber doch diesen uralten Trott nicht ablegen konnte.
Sprüche wie „Bist du n Mädchen?“ und einige mehr waren gang und gäbe.
Dieses schwarz-weiße Frau-Mann-Denken wurde und wird Kindern andauernd eingepflanzt.
Ist es nun besser, diese (ehemaligen) Kinder wegzustoßen oder ist es besser, mit ihnen zu reden, zumindest bis sie sich entscheiden, an sich selbst zu arbeiten oder eben nicht?
In einem anderen Post hatte ich ja schon etwas zum Thema Trotz geschrieben, warum es nicht funktioniert, Menschen mit der „Holzhammermethode“ zu überzeugen. (http://chaosrind.wordpress.com/2013/01/23/warum-wir-mehr-miteinander-wagen-sollten/)
Genau das ist im Übrigen auch der Grund, warum mich die sogenannte Quote nicht überzeugt. Weil sie den Menschen das (Um)Denken abnimmt. Ich möchte keine Quote brauchen!

Diese Gesellschaft ist in so vielerlei Hinsicht krank:
Man könnte annehmen, dass die homosexuelle Szene gemeinsam für mehr Akzeptanz und Gleichberechtigung kämpft. Teilweise tut sie das auch. Auf der anderen Seite gibt es Lesben, die Schwule hassen und Schwule, die Lesben hassen. Eine Szene, die mit Recht Toleranz und Akzeptanz fordert, bekommt das nichtmal szeneintern hin. Warum unterscheiden wir überhaupt noch Lesben und Schwule? Warum sind wir nicht einfach queer?
Ich habe es satt, zwischen „den Geschlechtern“ hin und her geschubst zu werden, wie ein Pingpongball.
Ich arbeite mit Frauen genau so gern und genau so gut zusammen, wie mit Männern und habe nicht vor, das zu ändern. Für die meisten Dinge im Leben ist es so irrelevant, wer mit wem ins Bett steigt und erst recht, was da dann passiert.
Auch ich bin „unsozialisiert“ worden in der Form der Werte, die mir vermittelt wurden. Für homosexuelle Menschen bricht während des sogenannten Coming Out quasi eine Welt zusammen. Plötzlich sind all diese Werte zweifelhaft bis völlig falsch.
Dieser Punkt ist für mich inzwischen lange her. Seitdem arbeite ich ständig an mir. Ich erhebe nicht den Anspruch, perfekt zu sein.
Müsste es nicht eher Sinn und Zweck dieser Diskussionen sein, Menschen eben zu Arbeit an sich selbst zu motivieren, sie dabei zu unterstützen?
Verurteilen ist einfach. Überzeugen ist nachhaltig.

In der Hoffnung, mit diesem Text nicht auch wieder Menschen gekränkt zu haben, warte ich jetzt mal ab, was passiert. Ich plane keine Fortsetzung. Aus der aktiven Diskussion werde ich mich zunächst heraushalten. Auf Kommentare, sofern sie fair sind, antworte ich aber gern.

 

10.2.2013: CC-BY-ND geändert auf CC-BY-SA

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