Gedanken zum Mauerfall

Ich kann nicht anders. Auch wenn mich hier nur wenige lesen, ich möchte mich auch zum Mauerfall äußern, bzw. dazu, was mir heute, 25 Jahre danach durch den Kopf geht.

Ich selbst habe keinen Anteil an dem, was damals im Jahre 1989 geschah. Ich war ganz normaler Schüler in einer Plattenbausiedlung in der DDR. Ich bin dankbar dafür, dass die deutsch-deutsche Grenze Vergangenheit ist. Den Menschen, die ihre Existenz, ihr Leben, alles, was sie hatten, aufs Spiel setzten, um das möglich zu machen, bin ich zu Dank verpflichtet. Mir selbst ging es in der DDR nun nicht so schlecht, wie viele meinen. Der Lebensstandard war bei weitem nicht mit dem heutigen vergleichbar. Aber ich hatte zu essen und zu trinken, hatte (wenn auch nicht immer das schickste Zeug) etwas anzuziehen, ein Dach über dem Kopf etc. Im Gegensatz zu anderen Menschen gab es gegen mich (noch) keine Repressalien.

Ich musste mir aber doch so langsam Gedanken machen, was nach der Schule aus mir wird. Der Berufswunsch stand eigentlich, das Ganze hatte allerdings einen Haken: Beide Wünsche hätte ich mir nur durch 3-jährigen Grundwehrdienst bei der NVA erfüllen können. Das hätte ich nicht gewollt. Regelmäßig durfte ich in der Schule ins Büro der Direktorin, weil dort ein Herr um mich „werben“ wollte. Ich sollte doch Offizier werden. Bei dem Gedanken stellen sich mir noch heute die Nackenhaare hoch. Es kam zu einem Deal mit der Direktorin: Ich schnupperte in Veranstaltungen rein, um Lehrer als Berufswunsch akzeptieren zu können und sie hielt mir diese Leute vom Hals.
Ich wurde kein Lehrer. Ich war auch nicht bei der NVA. Ich wurde kein Offizier. Weil Menschen für die Freiheit auf die Straße gingen.
Heute sehe ich, wie Freiheiten immer weiter beschnitten werden, man denke an Stichwörter wie TTIP, Streikrecht (siehe hier), Datenschutz, Überwachung usw.

Ich war heute beim Spektakel in Berlin…. nur kurz. Andere liefen mit Fackeln durch Erfurt und erinnerten damit an einen anderen düsteren Teil der deutschen Geschichte auf eine Art und Weise, die an Widerlichkeit kaum zu übertreffen ist. Und in diesem freien Land möchte man Geschichtsunterricht abschaffen. Ganz davon zu schweigen, dass sich eine sogenannte demokratische Partei, nämlich die CDU dazu hinreißen liess, da mitzumachen.
Wir haben eine Bundeskanzlerin, die sicherlich heute auch gut situiert gewesen wäre, wäre die Mauer nicht gefallen. Wir haben einen Bundespräsidenten, dessen große Sorge darin besteht, dass ein Mitglied der Partei die Linke durch demokratische Wahl zum Ministerpräsidenten werden könnte. Wir haben eine Regierung, die die Überwachung scheinbar toll findet (solang die sich nicht gegen Regierungsmitglieder richtet).
Wir haben Repressalien durch Hartz4, wir haben Rassismus, Homophobie, Gewalt, Gier und Kälte überall in diesem Land. Einige wenige sacken ein, der Rest geht aufeinander los. Die Schwächsten bleiben auf der Strecke.

Ist das wirklich diese Freiheit, für die im Jahre 1989 gekämpft wurde?

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