Experiment gescheitert – ich bin raus

CC-NC-SA

 Liebe Piraten,

die Partei hat ein Mitglied weniger. Ich habe meinen Austritt zum Monatsende erklärt.

Bevor jetzt wieder eine Empörungswelle losbricht, die letztendlich doch keine Änderung bringt: Genau DAS. das Wegschauen und Schweigen, Damit-Leben, sich in Filterblasen verstecken ist nicht mein Ding.

Nach meinem Post „Zurück auf Start“ gab es eine solche Welle. Es gab Gesprächsbedarf und ich war offen dafür. Getan hat sich in der Folge nicht viel. Flauscherei hilft nicht, wenn sich danach nichts ändert – ganz im Gegenteil!

Ich bekam auch Einladungen anderer Crews, künftig dorthin zu kommen, um aus dem Schussfeld zu sein und das alles nicht mehr so mitzubekommen. Dieses Angebot ist gut gemeint, vielen Dank dafür! Ich möchte aber nicht vor Problemen weglaufen, mich wegducken und mich möglichen Mobbern auf diese Weise scheinbar entziehen. Die gibt es überall und solange alle wegsehen, wird sich genau NICHTS ändern. Und ich bin nunmal HIER.

Vor meinem Eintritt in die Partei hatte ich bei Gesprächen betont, dass ich ganz bewusst vorher in keine andere Partei eingetreten bin, weil mich diese Machtspielchen, die auch Mobbing beinhalten, das „Verbiegen“ von Menschen, Unaufrichtigkeit etc. abschreckten. Ich hatte auch damals schon gesagt, dass ich austreten würde, wenn ich das bei den Piraten zu massiv beobachten würde. Ich hätte demnach eigentlich schon viel eher austreten „können“, habe aber sogar noch versucht, da etwas geradezubiegen, zu helfen, die Zustände zu ändern. Das war leider erfolglos.

Ich hatte mich von Anfang an in die Sache eingebracht, Dinge getan, die ich mit meinem bisschen Erfahrung machen konnt. Dinge, von denen ich keine Ahnung hatte, hab ich lieber erfahreneren Leuten überlassen. Ich war nie scharf auf irgendwelche Posten. Ja, ich habe mich für Aufgaben zur Verfügung gestellt. Das waren aber idR keine Pöstchen, bei denen die Presse kommt und einen über den Klee lobt. Es waren unauffällige Sachen, die irgendwer ja machen musste.

Ich habe mich auch oft gestritten, meistens konstruktiv, was ich gut finde. Zu oft aber gleiten Streits ins Persönliche ab und das ertrage ich nicht länger.. Was auch nicht geht: selbst nix machen und dann über Leute meckern, die was tun. Ganz nach dem Motto: wer nix tut, macht keine Fehler. Beispiel letzter CSD: Das Ding ist organisatorisch mal ganz dolle in die Hose gegangen, weil sich niemand „den Hut aufsetzen“ wollte. Einigen Wenigen ist es zu verdanken, dass die Partei überhaupt dabei war. Auch ich habe in der Tram Berta gestrampelt, auch ich habe das Piratgio geschoben, damit das Teil nicht so stinkt. Auch ich habe mich vom Straßenrand aus beleidigen lassen. Um dann im Nachhinein via Twitter und Co. das Gemecker der Leute anzutun, die genau NICHTS getan hatten. Danke auch dafür! Ich habe Freunde verloren, weil ich diese Partei und damit auch solche Leute verteidigt habe. Mich erinnert das irgendwie immer an einen Haufen schreiender, bockiger Kindern, nur dass die Kinder idR nicht so berechnend sind.

Ich habe mich hingestellt und Neupiraten verteidigt, bin dabei sicherlich einigen auf die Füße getreten. Letztendlich war das aber richtig. Eine Partei, die die Gesellschaft wirklich verändern möchte, muß die gewünschten Veränderungen selbst vorleben können.

Solange es Neid und Missgunst schon wegen kleiner Pöstchen mit viel Arbeit gibt, solange das genügt, Leuten die Arbeit unmöglich zu machen, indem man Gerüchte streut, solange Leute das ungefragt glauben, obwohl sie die Betroffenen besser kennen sollten, solange es eine Wand des Schweigens und der Untätigkeit gibt: vergesst es!

Die schlichtweg gelogenen Vorwürfe gegen mich stehen noch immer im Raum.

Eine Crew, die mich zu einem Gespräch eingeladen hatte, sagte mir, dass sie Mobber eigentlich nicht haben möchte. Diesem einen aber scheinbar nicht. Nachdem ich dann auch die Ankündigungsliste hingeschmissen hatte (und dem Vorstand einen ganzen Monat Zeit gab, jemand anderen dafür  zu finden), wurde ich kurz vor Ablauf dieser Zeit gebeten, das noch „ein paar Tage länger“ zu machen, weil man noch niemanden hätte. So machte ich den Job noch bis in den Mai hinein. Dass man einen Nachfolger sucht, habe ich allerdings nicht wirklich bemerkt, weshalb ich Anfang Mai die Moderation/Administration dann tatsächlich eingestellt habe. Eine weitere Zwischeninfo bekam ich ja nicht.  Erst gesterrn beschwerte sich jemand, dass die Liste langsam geworden sei, dabei macht der jetzige Moderator einen wirklich guten Job. (Anm.: Man beschwerte sich über Laufzeiten von 24h. Als ich das Ding übernahm, waren das bis zu 17 Tagen) Auf diese Beschwerde hin wurde nun (hoffentlich) reagiert.

Ein weiterer Antrag, den ich im Namen meiner Crew eingereicht habe, scheint bis heute unbearbeitet, dabei könnte gerade dieser die Gerüchte als solche auffliegen lassen. Auch hier fehlt mir eine Zwischeninfo, ob/was da passiert. Das hätte sowohl der Ankündigungsliste geholfen und vielleicht auch meinen jetzigen Schritt etwas hinausgezögert.

Meine Crew stirbt so langsam, ich sehe auch hier Gerüchte und Gerede als Grund. Sie trifft sich nur noch unregelmässig, niemand weiß, was die Woche darauf passiert. Gäste kommen nur noch extrem selten. Mitglieder lassen sich auch immer weniger sehen. Auch da geht gerade harte Arbeit kaputt.

Nennt mich paranoid, aber ihr sagt mir, ihr glaubt mir. Ich erinnere mich an eine Gebietsversammlung, da stand/saß ich weitgehend alleine, während sich viele um $Person scharten, die so aberwitzige Sachen über mich verbreitet. Wie würde das auf Euch an meiner Stelle wirken?

Andere Piraten nerven nur noch mit Egotrips, öffentlichen Streitereien oder ähnlichem Mist – Harte Arbeit wird in den Hintergrund bis in die berüchtigte Bedeutungslosigkeit gedrängt. DAFÜR bin ich NICHT Pirat geworden. Öffentliche Pöbeleien und Kleinkriege fallen zumindest für mich NICHT unter den Begriff der Transparenz. Solang sich der Umgang miteinander nicht ändert, die Kommunikation nicht besser wird, wird es sehr sehr schwer sein, Erfolge einzufahren. Immer wieder habe ich gegen mein eigenes Gefühl angekämpft, immer wieder hab ich mir gesagt: „Reiss dich zusammen und zieh das durch.“.
Allerdings wäre das erstens ein Selbstbetrug, weil ich das so gar nicht durchziehen kann, bzw. der Erfolg mehr als fragwürdig wäre. Und damit wäre es gegen das, was ich zu Beginn meiner Parteimitgliedschaft für mich festgelegt hatte.

Für eine solche Partei habe ich mich als Extremisten (nicht im Zusammenhang mit dem viel zitierten Linksextremismus), als Spinner, Depp und was weiß ich nicht was beschimpfen lassen, ihr wollt das nicht alles im Wortlaut lesen. Immer hab ich die Partei verteidigt. Ich kann und will das nicht mehr. Ich stehe hinter den Inhalten, aber das, was menschlich passiert, werde ich nicht länger unterstützen. Ich bleibe meinen Werten treu und tu genau das, was ich bei meinem Parteieintritt gesagt hatte: ich beende das.
Ich werde keinen Wahlkampf machen, werde aber definitiv meine Kreuzchen machen. Wo? Das wird sich zeigen. Zumindest Berlin hat Kandidaten, die ich unterstützen kann. Also umwerbt mich, wie jeden anderen Wähler auch.

 

Ich möchte aber auch nicht unterschlagen, dass ich einige ganz tolle Menschen kennenlernen durfte, selbst viel gelernt habe, mich selbst entwickelt habe. Das wäre ohne die Partei in dem Maße wohl nicht geschehen. Bei all diesen tollen Menschen möchte ich mich bedanken – und entschuldigen, weil ich sie mit meinem Austritt irgendwie im Stich lasse. Euch gegenüber tut es mir leid. Bitte seid mir nicht böse. Ich überlasse leider wieder ein Stückchen das Feld all diesen unkonstruktiven Meckerern, Mobbern, Egomanen etc., ich kann aber einfach nicht mehr. Ich hätte gern weiter Dinge für eine Partei getan, an die ich glaube. Aber nicht gegen den Widerstand anderer Mitglieder.

Nochwas: Bevor jetzt mit dem Finger auf „Die Berliner“ gezeigt wird: ein Großteil der Kritik richtet sich an ALLE Landesverbände. Also, eigene Nase und so…

Für manch eine(n) mag das alles wie Gejammer klingen. Für mich ists das nicht. Macht was draus. Ansonsten nehmts mit Fassung, es ist vorbei.

Bis irgendwann mal…

 

P.S.: Dieser Beitrag wird automatisch veröffentlicht, während ich meinem Job nachgehe. Erwartet also keine schnelle Reaktion auf eventuelle Reaktionen/Kommentare eurerseits. Danke fürs Verständnis!

PPS: (9.6.2013): ja, ich bin ausgetreten. Ich stehe weiterhin FÜR die Ideale, die ich mit der Partei teile. Ich stehe weiterhin auf für einzelne tolle Leute da ein. Ich muss nun nur keine Idioten mehr verteidigen. Ich wurde selbst demontiert und kann dem LV als Mitglied also nicht mehr nützen. Ich werde deshalb nicht aufhören, Positionen und passende Leute zu unterstützen. Ich kann mir jetzt aber frei aussuchen, mit wem ich was mache.

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6 Kommentare zu “Experiment gescheitert – ich bin raus”

  1. Bernd sagt:

    Hi Matze,

    ich verstehe Dich nur zu gut. Illusionen hab ich nicht, aber (noch) den Willen, mir den Weg zur Not freizubeissen. Es sind auch bei uns gerade die Inaktiven, die nur labern, einen mit Müll überkippen und selbst nix auf die Reihe bekommen. Das ist ein eher gesellschaftliches Phänomen, begegnet es mir doch auch innerhalb von Firmen.

    Kaum bin ich dabei, ecke ich an, werde für Positionen angegriffen, die garnicht meine sind, etc.

    Aber ich weiss eins: Ich beisse zurück. Vollhilden und Vollhorste sehe ich viele in- und ausserhalb der Partei. Leute, die nur flamen können aber zu dumm sind, einen Eimer Wasser umzukippen.

    Nur genau da sage ich: Jetzt nehme ich Anlauf. Wenn ich von 3 Themen die mir wichtig 2 ins Ziel bringe, bin ich zufrieden. Bei einem wäre es noch so lala. Aber ich arbeite an mir, reflektiere, was dieser bunte Haufen so anstellt und entwickle meinen Stil weiter, gradlinig loszugehen.

    Manchen Abend lese ich meine Mails und denke mir nur „Herr, wirf Hirn vom Himmel“.

    Die Piraten sind genausowenig Gutmenschen wie alle anderen. Kirche, Parteien, Verbände – wo Du hinguckst wirst Du den gleichen Menschen begegnen. Und eins steht fest: Ich begegne denen. Zur Not labere ich denen einen Knopf an die Backe.

    Schade, dass Du gehst. Einer weniger mit Herz und Verstand.

    Alles Gute – Bernd

    1. ck10245 sagt:

      Dankeschön, aber ich bin nicht der Matze 😉
      Ich bin auch nicht aus der Welt. Ich hab so viele tolle leute kennengelernt, mit denen ich auch ohne Partei Dinge tun kann. Dafür bin ich dankbar. 🙂

      1. asaaki sagt:

        Gefällt mir!

        (Ich bin socialnetworkgeschädigt.)

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